
Aufnahme am 26. – 28.12.2025 mit Ha-, [OIII]- und [NII]-Schmalbandfiltern, sowie RGB-Daten zur Darstellung der richtigen Sternfarben. Ha: 49x600s, OIII: 64x600s, NII: 15x600s, R,G,B: 20x60s.
HFG1 ist ein sehr alter, großer und lichtschwacher planetarisches Nebel, das in der Konstellation Cassiopeia liegt. Das Alter wird auf 105.000 Jahre geschätzt. Es wurde 1982 während des Milky Way Emission Line Study von Heckathorn, Fesen und Gull entdeckt und ist auch als PK 136+05 im Katalog der galaktischen planetarischen Nebel bekannt.
Das Triebwerk: V664 Cas
Exakt im Zentrum der expandierenden [O III]-Blase befindet sich der veränderliche Zentralstern V664 Cassiopeiae. Dieses enge Doppelsternsystem besteht aus einem ultra-heißen Weißen Zwerg und einem sonnenähnlichen Begleiter (ca. 0,8 bis 1,0 Sonnenmassen). Die extreme Strahlungsnähe heizt den Begleiter so stark auf, dass seine äußere Gashülle künstlich zu einem Riesen aufgebläht wird. Beide Sterne umkreisen sich einmal in nur 14 Stunden.
Kinetische Stoßionisation
V664 Cas pflügt mit einer supersone Geschwindigkeit von bis zu 60 km/s durch die Milchstraße. HFG 1 gehört zur modernen Klasse der „Shocked Ghost Planetary Nebulae“ (GPN), deren ursprüngliches Photonenleuchten erloschen ist und die rein durch Stoßenergie sichtbar bleiben. An der führenden Kante wird das umgebende Gas massiv komprimiert und auf 50.000 bis 100.000 Kelvin aufgeheizt, was den zweifach ionisierten Sauerstoff ([O III]) intensiv in Cyan-Blau aufleuchten lässt. Auf der Rückseite wird die leichtere Wasserstoff-Atmosphäre (H-α) durch den Fahrtwind zu einem weiten, roten Schweif weggesaugt.
Der [N II]-Korkenzieher und die PGC-Kataloganomalie
Durch die rasante Rotation des Doppelsternsystems wird frisch erbrütete, stickstoffreiche Fusionsasche des sterbenden Sterns wie ein Korkenzieher in den Raum geschleudert. Dieser hochenergetische Gasstrom leuchtet intensiv in der verbotenen Stickstofflinie ([N II] bei 658,4 nm). Die Ausströmung beginnt extrem hell und wird durch den Fahrtwind gezwungen, sich entlang der Geometrie des äußeren [O III]-Bogens umzubiegen.
Astrofotografischer Funfact: Der Beginn dieses realen, galaktischen Stickstoffschlauchs ist so intensiv punktförmig, dass er in gängigen astrophysikalischen Katalogen und automatischen Bild-Annotationen fälschlicherweise als Hintergrundgalaxie PGC 2797165 gelistet wird – eine reine Software-Fehlklassifikation, die durch selektive Schmalbandaufnahmen eindeutig als galaktischer Sternenstrom entlarvt wird.
Literaturhinweise:
Sabin, M. S., Toalá, J. A., et al. (2016): Modelling the cometary structure of the planetary nebula HFG1. MNRAS, Vol. 462, p. 1341–1350.Verursacher des Planetarischen Nebels und Zentralstern ist V664 Cassiopeia, ein enges Doppelsternsystem, das aus einem Weißen Zwerg und einem roten Riesenstern besteht, die sich in nur etwa 14 Stunden umkreisen, wodurch ein Lichtwechsel von 1,1 mag entsteht.
Heckathorn, J. N., Fesen, R. A., & Gull, T. R. (1982): A new large, old planetary nebula in Cassiopeia. Astronomical Journal, Vol. 87, p. 1331–1333.
Exter, K., Pollacco, D. L., Bell, S. A., et al. (2005): A study of two post-common envelope binary systems: King 2 and V664 Cas. MNRAS, Vol. 359, p. 315–323.











